
Quelle: Jüdische Allgemeine, April 2016; Foto: Nikolaj Lund
Haben Sie eine Lieblingsplatte von Ihrem Vater?
An eine erinnere ich mich besonders gerne, und zwar an die, auf der er das Violinkonzert von Beethoven unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler eingespielt hat. Ich denke gerne an unsere gemeinsamen Aufnahmen. Wir haben die Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven, Brahms, Franck und Fauré eingespielt. Darum brauche ich auch keine Platten, um ihm nahe zu sein.
Ihr musikalisches Talent wurde nicht von Ihrem Vater entdeckt und gefördert, sondern von einer Nanny, die Sie an das Klavier herangeführt hat. Warum?
Wir verbrachten eben viel Zeit miteinander. Von früh an wollte ich Musiker werden. Das war schon immer meine besondere Berufung – so habe ich es jedenfalls empfunden. Insofern war es eine glückliche Fügung, denn auf diese Weise hatte ich etwas mit meinem Vater gemeinsam.
Als 15-jähriger Pianist sind Sie zusammen mit ihrem Vater aufgetreten. Konnten Sie das geniessen?
Mit 13 Jahren spielte ich zum ersten Mal unter seiner Leitung in einem Konzertsaal. Ich meine, es war das von ihm gegründete Bath Festival Orchestra, was mich begleitete. Ich war sehr aufgeregt. Es war ein Klavierkonzert von Mozart. Unsere gemeinsamen Auftritte sind von unschätzbarem Wert für mich.
Sie geben Konzerte, und gerade ist eine Platte mit Ihren Kompositionen erschienen.Das Vermögen zu komponieren, war in meinem Unterbewusstsein vergraben, doch seit ein paar Jahren bin ich wieder dabei. Ich habe kürzlich erneut mit dem Komponieren angefangen. Als 17-jähriger Student habe ich bei Nadia Boulanger, der berühmten Musikpädagogin des 20. Jahrhunderts, angefangen zu komponieren. Sie schloss damals einen Vertrag mit mir ab, ein Stück zu schreiben, das drei Minuten lang sein sollte. Ich hatte drei Monate Zeit. Als es fertig war und ich es ihr vorlegte, sagte sie: »Gar nicht schlecht. Wollen wir den Vertrag verlängern?« Aber ich habe jahrzehntelang nicht komponiert – und jetzt bringt es mir Freude.